Mit Los ging’s los in Gingst

Ostseezeitung vom 21.01.2019 von Uwe Driest

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Eine neue Wählergemeinschaft gründete sich. Weil die Abstimmung über deren Namen unentschieden verlief, musste das Los entscheiden


Gingst „Ich will in keine Partei, aber in den Kreistag“, beschreibt Steffen Ulrichsein Motiv, eine Wählergemeinschaft zu gründen. Zu dem Schritt habe er sich entschlossen, weil die Zählverfahren für Einzelkämpfer unvorteilhaft seien. Ulrich war bei den zurückliegenden Wahlen zum Landrat angetreten und hatte mit fast 20 Prozent aus dem Stand heraus einen Achtungserfolg erzielt. „Ich werde für mich jetzt prüfen, ob und wie ich mich weiter für den Landkreis einbringe“, hatte er danach verlauten lassen. Diese Entscheidung traf er inzwischen und gemeinsam mit Siegbert Geitz lud Ulrich am Freitag zur Gründung einer Wählergemeinschaft in den Saal der Gingster Kirchengemeinde. Geitz zog nach seiner Verrentung vor etwa fünf Jahren mit Ehefrau Gerlinde Bieker aus Duisburg auf die Insel. Der ehemalige Gewerkschaftssekretär war 2002 von den Grünen in die SPDübergetreten, die er ebenfalls wieder verließ.

Unter den etwa 15 Personen, die der Einladung nach Gingst folgten, fanden sich mit Ulrich, den Eheleuten Geitz und Bieker, sowie Astridund Ulrich Brugger aus Dreschvitz und Jörg Burwitz aus Lohme die notwendigen sechs Gründungsmitglieder bereit, über eine Satzung zu beschließen. Zu einer ersten kleinen „Kampfabstimmung“ führte dabei die Suche nach einem geeigneten Namen für die Wählergruppe. Geitzschlug „Gemeinsam für Vorpommern-Rügen“ vor, Astrid Bruggerbevorzugte demgegenüber „Bürger für Vorpommern-Rügen“. Nach kurzer Diskussion darüber, ob es nicht Bürgerinnen und Bürger heißen oder gar ein drittes Geschlecht erwähnt werden solle und nachdem Geitz vergeblich nahe gelegt hatte, den Gegenvorschlag zurückzuziehen, ging die Abstimmung mit drei zu drei Stimmen unentschieden aus, sodass das Los entscheiden musste. Geitz mischte und Ulrich zog den Zettel auf dem stand „Bürger für Rügen“. Bei den anschließenden Personalwahlen machten die Mitglieder Ulrich zum Vorsitzenden, Jörg Burwitz zum ersten und Geitz zum zweiten Stellvertreter. Zur Schriftführerin wurde Gerlinde Bieker und zur Kassenverwalterin Astrid Brugger gewählt.

Ob es schon Ansätze für ein Wahlprogramm gebe oder sich zumindest eine Richtung abzeichne, wollte ein Fragesteller im Anschluss an die Tagesordnung wissen. „Wir können 50 Prozent aus meinem Programm für den Landtagswahlkampf entnehmen“, so Ulrich. Auf seiner Internetseite „Unser Landrat“ wirbt Ulrich unter anderem dafür, Regionalentwicklung gemeinsam mit den Kommunen zu gestalten, Digitalisierung und Energiewende voranzutreiben, Umweltbewusstsein zu stärken und Schulstandorte nachhaltig zu entwickeln. Zudem fordert er mehr Anerkennung für Engagement in Sport, Kultur und Sozialbereich und möchte „Gemeinschaftstarife im Öffentlichen Personennahverkehr unter Berücksichtigung sozialverträglicher Angebote prüfen“.

Bei der Erarbeitung werde man sich zudem an den Inhalten lokaler Konflikte orientieren, ergänzte Jörg Burwitz. Dabei ginge es darum, Windräder und touristische Großprojekte zu verhindern oder auch Kleingärten zu erhalten. „Wir wollen uns Problemen der hier lebenden Menschen annehmen und ihnen eine Stimme geben“, so Burwitz, der sich für den Erhalt eines Abgangs am Königsstuhl einsetzt. Dabei sei er an Strukturen in der Verwaltung gescheitert. „Wir wurden als ’Krawallos’ ohne Mandat und demokratische Legitimation abgetan“, so Burwitz. Daher wolle man die Kräfte nun bündeln. Ein Wahlprogrammsoll in den kommenden Wochen erarbeitet werden. Zunächst aber sollen auf einer ordentlichen Mitgliederversammlung weitere Kandidaten gewonnen werden. Bis zum 12. März müssen alle Wahlvorschläge beim Kreiswahlleiter vorliegen. „Dann wollen wir auch unser Programm der Öffentlichkeit vorstellen“, so Ulrich.

Uwe Driest